
Was diese Kinder häufig gemeinsam haben, ist ein ausgeprägtes Temperament. Ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das beeinflusst, wie ein Kind auf Reize und seine Umgebung reagiert. Zur Schlafenszeit zeigt sich das besonders deutlich: ein hohes Aktivitäts- und Erregungsniveau, niedrige Reizschwellen und eine starke Ablenkbarkeit sorgen dafür, dass diese Kinder im Alltag unglaublich viele Eindrücken aufnehmen. Eindrücke, die sie am Abend noch nicht ausreichend verarbeitet haben.
Wer so viel wahrnimmt, kann nicht einfach abschalten.
Oft merken temperamentsstarke Kinder gar nicht, dass sie müde sind und zeigen deshalb auch selten klassischen Müdigkeitszeichen. Für Eltern ist es dann gar nicht so leicht zu erkennen, wann die richtige Moment zum Schlafen ist. Denn wenn man das richtige Zeitfenster verpasst, dann wird es oft schwer. Viele Eltern beschreiben es als "Kampf gegen den Schlaf". Aber das ist kein Unwille, sondern Biologie: das Nervensystem dieser Kinder ist noch hochaktiv und braucht aktive Unterstützung, um in den Ruhemodus zu finden.
Für diese Kinder ist es sehr hilfreich vor dem Einschlafen eine bewusste Übergangsphase einzuplanen: eine Zeit in der es ruhiger wird, keine Spielangebote mehr locken und nichts Spannendes mehr passiert. Sozusagen bewusst Langeweile herstellen, damit das Kind merken kann, dass es müde ist. Das kann eine ruhige Kuschelphase sein, ein langsamer Spaziergang durch einen reizarmen Flur, leises Singen, oder Summen. Je nach Alter hilft auch ein sanftes Wiegen vor einer neutralen Wand. Wichtig ist vor allem, dass es nicht viel zu sehen gibt und das Kind die Möglichkeit hat zur Ruhe zu kommen.
Kinder brauchen Zeit und Raum, um langsam herunterzufahren. Denn erst wenn es außen ruhiger wird, kann es auch innen ruhig werden - und erst dann wird Schlafen möglich.
Gedämpftes Licht – weniger visuelle Reize helfen dem Gehirn, auf „Nacht" umzuschalten
Leises Singen oder tiefes Summen – Stimme und Rhythmus wirken beruhigend auf das Nervensystem
Nähe und bewusstes „Runterkuscheln" – Körperkontakt reduziert Stress und unterstützt Regulation